Am 1. April hätte ich die Nachricht als Scherz betrachtet. Sie kommt jedoch erst am 3. April. Im Class-Action-Verfahren gegen Sony, wegen der widerrechtlichen (?) Entfernung der OtherOS Funktion aus der Sony PS3 Firmware, bezichtigt Sony Computer Entertainment America (SCEA) pauschal die Linux Nutzer auf der PS3 der Mittäterschaft beim Hack der PS3 Firmware. Und verlangt daher die Durchsuchung der PS3 Festplatten der Kläger.
Frau Sacks, die Anwältin von SCEA, vertritt nach wie vor die Auffassung in der Sammelklage, dass die Kläger keine Rechte an der Software von SCEA hätten, sondern lediglich das Privileg diese nutzen zu können. Impliziert, dass Sony damit das Recht hat, Teile weg zu nehmen, wann immer es Sony gefällt. Die Software ist dabei die Firmware der PS3, der Teil der aus der Ansammlung von Schaltkreisen auf den Platinen der PS3 erst ein nutzbares Produkt macht. Das bedeutet für Käufer der PS3: Sie haben lediglich unnütze Hardware für 300 bis 700 Euro gekauft. Die Software, die nötig ist um dieser speziellen Hardware einen Nutzen zu geben, ist allein in Besitz und Eigentum von Sony. Sony kann diese jederzeit ohne ihr Einverständnis oder ihre Kenntnis ändern, auch zu ihren Ungunsten. Oder ganz einstellen. Eine andere Nutzung der Hardware, für die Sie eine Leistung erbracht haben, gibt es nicht, da die Hardware durch ein Sicherheitssystem geschützt ist. Ein aushebeln, umgehen dieses Sicherheitssystems verletzt die Rechte Sonys.
Sony ist also das Glanzstück der BWL gelungen, Kunden für teures Geld wertlosen Schrott an zu bieten. Und willkürlich darüber zu bestimmen, ob dieser Haufen Silizium nutzbar ist, oder nicht. Eine Leistung muss Sony offenbar, nach Erhalt des Kaufpreises und Übergabe der Hardware, deren Nutzbarkeit allein Sony obliegt, nicht erbringen. So meine Meinung, die ich aus den Informationen und Darstellungen von Sony und deren Anwälten zu ziehen habe.
In der Sammelklage vor dem Gericht in Kalifornien ordnete der Richter tatsächlich die Durchsuchung der Festplatten der Kläger an. Nur der Festplatten der PS3, keine anderen Festplatten, der Privatsphäre wegen. Ein Kläger war darüber, so aufgebracht, dass er seine Klage zurück genommen hat. Nun möchte SCEA erst Recht seine Festplatte.
In einem anderen Aspekt des Rechtsstreites geht es darum, ob SCEI Gründe für die Entfernung der OtherOS Funktionalität aus der PS3 Firmware liefern muss. SCEI ist der Hersteller der PS3 und der Firmware. SCEA der Vertrieb in Amerika. Zum Zeitpunkt der Entfernung war SCEA eine Tochter von SCEI. Inzwischen ist SCEA eine Tochter von Sony Corp. America. Diese Firma ist wiederum eine Tochter einer japanischen Beteiligungsfirma, der auch SCEI gehört. Ob diese Umstellung wegen des Prozesses erfolgte ist nicht geklärt. SCEA ist zumindest unzweifelhaft in dem Besitz von einigen Dokumenten, die eine Erklärung bezüglich der Entfernung der OtherOS Funktion ergeben. Aber nicht aller Dokumente. Und die Kläger hätten gerne Einsicht in alle Dokumente, da zu erwarten ist, das die zur Verfügung gestellten Dokumente handverlesen sind, und allein der Argumentation von Sony dienen. Sony hingegen behauptet, das SCEA keinen Anspruch mehr habe, Dokumente von SCEI an zu fordern.
Ob Sie Konsequenzen aus der Haltung von Sony ziehen, ist ihnen überlassen.
Und die gewählten Volksvertreter denken allen ernstes darüber nach, das Urheberrecht, Lizenz- und Patentrecht weiter Industrie-freundlicher zu gestalten.
Wer es nicht glauben mag, kann es bei groklaw - SCEA Files Motion to Dismiss Class Action Again, More Discovery Disputes, Plus a Revealing Transcript Surfaces - nachlesen.