Na dass ist eine Meldung für das Sommerloch. Ich weiß, dass es den Anlegern nicht gefällt und glauben Sie mir, es gefällt mir auch nicht. Und er macht es trotzdem? webOS wird eingestellt und oder verkauft, die Rechner werden ausgegliedert oder verkauft. HP wird etwas anderes oder geht komplett den Bach runter. Der Aktienkurs auf jeden Fall.
Wenn das Zitat stimmt, und es niemanden gefällt, wieso tut man es dann? Schon eigenartig. Siehe Handelsblatt - Apotheker lässt bei Hewlett Packard keinen Stein auf dem anderen. Es ist ja nicht so, dass HP bei der Hardware Probleme hätte, auch wenn der Markt einbricht und schrumpft. Es gibt auch immer noch Gewinne. Aber wenn die Aussicht sich leicht eintrübt, wendet sich Leo ab und der Sonne zu. Irgendwo muss mit dem Cloud-Zeugs doch Geld zu verdienen sein. Cloud ist Software und bei SAP hat man Software gemacht, da kennt sich Leo also aus.
Wieso Palm gekauft wurde, darüber darf man nun rätseln. Vielleicht war es doch nur die Druckersparte, die ein OS für die Bedienoberfläche benötigte? Alles andere war Irrsinn? Vielleicht kam auch Steve Balmer vorbei und begutachtete die Bürostühle bei Leo Apotheker. Oder er kam nicht und der Bluff mit webOS auf den PCs erübrigte sich damit?
HP hat leider mit Hewlett-Packard nichts mehr zu tun, so ist es mir egal, wie Leo Apotheker den Konzern zerreisst und in Schutt und Asche legt. Ist doch nur Hardware. Man darf überlegen ob man Leo Apotheker Geltungssucht und Selbstdarstellung unterstellen darf. Wer soll den Marktführer kaufen? Die Nummer 5, 6 oder 23? Und wahrscheinlich sind die Palm Patente im Moment mehr wert als HP dafür bezahlt hat. Wenn man so etwas verkaufen kann, ... Google? Oder lieber an Mircosoft, man benötigt ja nun weiterhin MSDOS, ähem Windows und noch ein Tablet-OS. Obwohl GoogleOS und Cloud? Aber Google hat nicht nur eigene Rechenzentren sondern auch noch eigene Hardware.
Ich kann mir sehr lebhaft vorstellen, dass Todd Bradley, der Chef der HP PSG Sparte, da etwas anderer Meinung als Leo Apotheker ist. Vor allem kann ich mir nicht Vorstellen, das Herr Bradley amüsiert darüber ist, dass Apothekers Pressemitteilung den Wert seiner Abteilung in den Keller katapultiert hat. Sein kommuniziertes Konzept über webOS konterkariert hat. Todd Bradley hat nicht nur die PC-Sparte auf Vordermann gebracht, zum Marktführer, er hatte auch seine Pläne mit webOS. Und steht nun ziemlich nass da, denn die Konzern-Entscheidung von Leo Apotheker entzieht ihm all seine Optionen und vor allem seine Glaubwürdigkeit und den Nimbus des Erfolgs. Hat Bradley auf das falsche Pferd gesetzt und damit die Ausgliederung der PSG von HP zu verantworten? Weil sein Einsatz für webOS keine Früchte getragen hat?
Sehr lustig finde ich übrigens die Feststellung der Analysten am 19.08.2011 als Reaktion auf die Pressemeldung und in Bezug auf HPs webOS Tablets. Der Versuch mit webOS Tablets Boden gut zu machen ist gescheitert. Und diese Erkenntnis hat man nun, nachdem das Tablet gerade mal drei Monat auf dem Markt ist. Hätte Apple beim iPod so reagiert, gäbe es kein iPhone. Die Erwartungen gehen nun dahin, dass die abgesonderte PSG Sparte mit Android- oder Windows-Tablets Boden gut macht. Also die TouchPads mit einem anderen OS versieht. Ob man damit mehr Erfolg hat, das Windows Slate war keiner.
Erst vergangene Woche nahm HP eines drastische Preissenkung für seine Tablets vor, um den schleppenden Verkauf anzukurbeln. Jetzt wird der ganze Bereich eingestellt. Das, so Apotheker im Analystengespräch, war „unvermeidlich“. Interne Ziele seien nicht ansatzweise erreicht worden und die Hardwareverkäufe hätten „nicht den Erwartungen entsprochen“. Die Sparte hätte „erhebliche Investitionen“ mit „völlig ungewissem Ausgang“ erfordert.[Handelsblatt]
Eine ganze Woche gab man also den Kunden Zeit, um auf die Preissenkung zu reagieren, und um festzustellen, dass interne Ziele nicht (rechtzeitig) erreicht wurden. Erhebliche Investitionen mit ungewissen Ausgang. Natürlich. Wenn man nicht an den Erfolg glaubt, wird der sich auch nicht einstellen. Und Risiko gehört zu jedem Unternehmen. Mit dieser Einschätzung sollte Apotheker auch den Kauf von Autonomy sein lassen. Erhebliche Investitionen mit völlig ungewissen Ausgang.
Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass man eher Angst hatte, dass webOS Erfolg haben könnte. Der Gewinner ist definitiv Microsoft und deren Lobby bei HP. Unstrittig ist aber, das Leo Apotheker den Schwanz einzieht und zu gibt, unfähig zu sein mit HP bei den Smartphones, Tablets und PCs nachhaltig Gewinne erzielen zu können. Da ist es wirklich besser den Zweig zu beerdigen und weiter zu ziehen. Tschüss HP. Und Danke für die Taschenrechner. Das war's. Ich geh Kaffeetrinken und den Tag genießen.
Links:
Pressemitteilung von HP vom 18.8.2011
heise online - Keine Smartphones, Tablets, PCs und Notebooks von HP mehr
ftd - Gefährliches Copy-and-Paste
ftd - Apotheker baut HP radikal um
Kommentare
Wie ich in diesem Forum bereits schrub
Leo Apotheker ist für jeden Konzern die personifizierte menschliche Abrissbirne.
Dass der Mann nach dem was er SAP angetan hat (die es ja zum Glück für die dort Beschäftigten tatsächlich irgendwie überlebt haben) überhaupt noch einen Job kriegen konnte ist schlicht unglaublich. Und jetzt macht er halt HP kaputt, diesmal aber richtig. Was dieser Hirni in seiner "Karriere" an Werten vernichtet hat spottet jeder Beschreibung. Und verdient noch ein Heidengeld damit.
Wirklich unglaublich.